Lambertgarte(l)n

[wg] Wir schreiben den 9. Mai 2019 und ich bin am Weg in die Lambertgasse im 16. Bezirk. Auf einer Fläche in der Größe einer Baulücke befindet sich hier seit Langem ein kleiner Park. „Es ist öffentlicher Grund“ erzählt mir Irene Grabherr von der Gebietsbetreuung, „vorher waren da Büsche, es war eine uneinsichtige Fläche, die vielleicht nicht jedem so angenehm, sicher war“. Vielleicht aber, denke ich, ist ein wenig uneinsichtige Fläche in der Stadt gar nicht so schlecht. Dabei sofort an Gewalt, Drogen, Kriminalität zu denken ist zwar modern, übersieht aber das Bedürfnis nach Rückzug, ein wenig Intimität und „Geheimniskrämerei“ bei jung wie älter.

Förderung der Nachbarschaft

Doch Frau Grabherr hat Argumente mitgebracht. „Wichtig ist uns, dass das hier ein Ort ist, an dem die Leute sich treffen und kennenlernen, dass die Nachbarschaft gefördert wird. Dazu eignet sich ein Gemeinschaftsgarten hervorragend.“ Jedenfalls liegt der Lambertgarten, wie er nunmehr heißt, jetzt voll einsichtig vor mir.

Er erinnert an diese japanischen Gärten, in seiner strikten Rechteckigkeit, in der Mitte ein grünes Quadrat, um das sich ein Gehweg zieht, der wiederum von einem grünen Band umgeben ist. Habe ich etwas versäumt? Ist dieser Gemeinschaftsgarten bereits „in Betrieb“? „Was du hier siehst, ist nicht angebaut. Das ist alles so aufgegangen. Ende April waren wir hier fertig, auch ein Hydrant ist installiert worden. Dann haben wir ein wenig warten müssen. In der Zwischenzeit ist hier schon lauter Grün gewachsen.“ Und heute wird der neue Gemeinschaftsgarten offiziell eröffnet, an seine Nutzer*innen übergeben.

Während ich mich mit Frau Grabherr unterhalte, trudeln die Gärtner*innen ein. Einzeln, paarweise, in kleinen Gruppen; Kinder, Erwachsene, eine bunte Mischung. Ich mische mich unter sie und interviewe ein älteres Ehepaar, das fleißig Unkraut jätet. Die beiden sind offenbar begeistert von der Möglichkeit, hier garteln zu können. Wie haben die Leute hierher gefunden, frage ich Frau Grabherr.

Wie ein Gemeinschaftsgarten entsteht

„Wir haben ein Banner am Park aufgehängt. Da haben sich schon viele gemeldet. Und wir haben eine Facebook-Seite, eine Website und verschicken einen Newsletter. Mehr haben wir nicht gebraucht. Binnen kurzer Zeit haben sich mehr als 60 Interessierte bei der Gebietsbetreuung gemeldet. Deshalb haben wir die Fläche in kleine Zellen eingeteilt, in 40 kleine Beete. Und die haben wir dann verlost.“ Eine wirklich demokratische Methode, scheint mir. Alles andere hätte wohl zu Ärger, Beschwerden und Korruptionsvorwürfen geführt. „Natürlich können jetzt Leute auch ihre Beete zusammenlegen oder tauschen“ so Frau Grabherr. „Jedenfalls können alle erstmal zwei Jahre lang bleiben, dann wird vielleicht wieder neu verlost. Aber warten wir ab, wie sich dieser Garten entwickelt.“

In der Mitte das „Herz“ des Gartens

Wem nun vierzig nebeneinander angeordnete Beete zu wenig gemeinschaftlich erscheinen, richte den Blick in die Mitte des Lambertgartens. „Dieses große Beet hier ist das Gemeinschaftsbeet“ erklärt Frau Grabherr. „Hier garteln mehr als ein Dutzend Interessierte gemeinsam. Wir helfen mit Workshops.“ Heute aber sind alle eingeladen, ihre Beete zu übernehmen und Fragen zu stellen. „Dazu haben wir Unterstützung vom Verein Gartenpolylog, der die gärtnerische Beratung übernimmt.“

„Die Gebietsbetreuung ist quasi die Betreiberin dieses Gartens“, so Frau Grabherr. „Wer hier mitmacht, unterschreibt eine Nutzungsvereinbarung mit der MA 42 (die die städtischen Gärten verwaltet). Das gilt für alle Gemeinschaftsgärten in Wien, von denen aber viele von Vereinen betrieben werden. Wer weiß, wenn die Leute hier einander beim Garteln näher kennengelernt haben, werden sie vielleicht auch einen Verein gründen. Um ihren Garten selbst zu verwalten.

Und hier der link zur zuständigen Gebietsbetreuung:
https://www.gbstern.at/west/